Historisches | Der Hauptmann

Um den Rang, bzw. den Begriff des Hauptmanns zu beschreiben muss man die allgemeine Armeestruktur des Mittelalters verstehen.

Die ersten mittelalterlichen Heere bestanden aus nicht viel mehr, als Bünden und Horden, die sich für einen bestimmten Zweck zusammenschlossen.
Erst nach und nach entwickelte sich eine gewisse Organisation, die aber noch lange nichts mit der heute bekannten Struktur einer Armee zu tun hat, zumal es sich seltenst um ein stehendes Heer handelte, sondern um Zusammenschlüsse/Rekrutierungen für bestimmte Kriegszüge.
So war es also, dass ein Herrscher bei bevorstehenden Kriegszügen, seine Vasallen befehlen konnte für ihn Kriegsdienst zu leisten. Diese Vasallen waren ihm nach ihrem Treueeid verpflichtet eine bestimmte Zeit im Jahr für den Kriegsdienst zur Verfügung zu stehen. Grundsätzlich gab es aber auch die Möglichkeit eine sogenannte „Kriegssteuer“ zu entrichten und sich somit vom Kriegsdienst freizukaufen. Unter anderem durch solche Mittel wurden dann zusätzliche Söldner angeheuert, die sich dem Kriegszug anschlossen.

Wurde nun eine solche Feudalarmee zusammengerufen, begaben sich die entsprechend beteiligten Vasallen mit ihren Rittern, Bogenschützen und Fußsoldaten zu einem bestimmten Treffpunkt, an dem sie mit Söldnergruppen zusammentrafen.

An dieser Stelle sollte man einmal Motivationen von Söldnergruppen erklären.
Für Ritter war der Kriegsdienst eine Frage der Pflicht und Ehre. Sie lebten für den Kampf, zumal dies der schnellste Weg war, um Wohlstand und Anerkennung zu erlangen.
Für Söldner hingegen gehörte das Kämpfen zum Beruf und war nötig, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Häufig verdingten sich die jüngeren Söhne adliger Herren als „Berufssoldaten“, denn ihnen blieb kaum etwas, nachdem der älteste Sohn das Erbe der Familie angetreten hatte.

Diese Söldnerverbünde mussten nun geführt, ausgerüstet und vor allem bezahlt werden.
An dieser Stelle setzt nun die Funktion des Hauptmanns ein. Ein Hauptmann war der Anführer einer Söldnergruppe. Er sorgte für Aufträge und bezahlte die Mitglieder der Gruppe. Was die Ausrüstung angeht, so wurde das sehr individuell geregelt. Es kam vor, dass der Hauptmann auch für die Ausrüstung der Gruppe zuständig war, doch zumeist wurde eine Grundausstattung vorausgesetzt.

In der Freien Ritterschaft zu Dortmund und Herne wird der Rang des Hauptmanns dahingehend etwas gewandelt, als dass dieser erst im Spätmittelalter auftrat und sich dann lange Zeit nur auf Söldnerverbünde bezog. Da die Darstellung der Freie Ritterschaft um das 1300 zu datieren ist, wäre es eigentlich noch nicht möglich in dieser Definition von einem Hauptmann zu sprechen, zumal es in der Gruppe keinen Söldnerverbund, sondern eine Gruppe von Wachen, vergleichbar mit einer Wachmannschaft gibt.
Somit ist der Rang des Hauptmanns so zu verstehen, dass er das Bindeglied zwischen der Obrigkeit und der Wachmannschaft ist. Der Landgraf gibt seine Befehle nicht direkt, sondern lässt sie durch den Hauptmann ausführen.